Wir bauen eine neue Stadt!
23.02.11 in News
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21.01.11 in (Pop Up Sounds, News
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James Yuill live (MoshiMoshi)
Felix Austria & Lucille du Bass (Pop Up DJ Team)
1. Februar 2011, Leipzig, Werk 2 / Halle D
Einlass 20 Uhr, Beginn 21 Uhr
Eintritt 10 € (VVK)
www.jamesyuill.com
www.myspace.com/jamesyuill
Elektronische Beats oder akustischer Folk, eine verschwitzte Clubnacht oder ein gemütliches Lagerfeuer. Beides zusammen geht nicht, entweder oder, sollte man meinen. Aber James Yuill denkt gar nicht daran, sich zu entscheiden.
Der Brite verbindet mit sanfter Stimme zwei so gegensätzliche Genres und Stimmungen auf seinen Alben, ohne das eigentlich unvermeidliche Gefühl von Brüchen in den Songs aufkommen zu lassen. “Folktronica” nennen das die einen, die anderen lassen das lieber und bewundern einfach nur das Kunststück, Musik zu schaffen, die sowohl in der Disco als auch danach funktioniert – irgendwo an einem Strand, bei sommerlichen Temperaturen, während die Sterne am Himmel funkeln.
(byte.fm)
17.01.11 in (Pop Up Sounds, News
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Ein Teil des (Pop Up DJ Teams sind Lucis (Caramba!Records), bekannt aus der Distillery, und Lucille du Basse vom Hazelwood Sound System, der Groove Boutique und/oder Ilses Erika. Zum Dresdner Gastspiel präsentieren die beiden ein gewagt-gewitztes Set aus diskoidem House, minimalem Techno und warmem Tech-House, gewürzt mit einer Prise Pop. Als Gastgeber steht Kosmonautentanzresident Digital Kaos sowie Geespot (Accoucher Rec.) hinter den Reglern und als besonderes Schmankerl gibt es Livevisuals von Skip und Lichtspiele im extra umdekorierten Club Sputnik zu erleben. Beyond The Orbit!
Die Fakten:
22.01.2011, 22 Uhr, Dresden, Club Sputnik 2.0 im Bhf. Neustadt
Mit:
Lucis (Pop Up DJ Team, Caramba!Records)
Lucille du Basse (Pop Up DJ Team, Ilses Erika)
Geespot (Accoucher Rec.)
Digital Kaos (Kosmonautentanz)
Livevisuals by SKIP
Spzl Deko by Kooky-Crew
Kosmonautencocktails by Sputnik-Crew
06.12.10 in News
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Alles auf Abriss, wir bauen eine neue Stadt! Nieder mit den Grenzen zwischen Fans und Machern, die Messe ist tot, es lebe der Austausch. Aus dem Schutt traditioneller Strukturen und der Erfahrung einer Dekade zimmern wir unsere eigene Stadt. Und Ihr seid der Grundstein!
Am 20. und 21. Mai 2011 laden wir zur zehnten (Pop Up nach Leipzig ins Werk 2. Als letzte Barriere zwischen Branche und Publikum weichen dann auch die alten Messetische einem Konzept völliger Offenheit. Für zwei Tage wird die (Pop Up zu einem Raum der Interaktion und Information für Schaffende der Musik- und Popkultur und Musikliebhaber. Dazu bauen wir im Werk 2 eine Stadt mit Rathaus, Postamt, Baumarkt, Plattenladen und allerlei anderen Orten, an denen kommuniziert, ausprobiert und diskutiert werden darf. Musikmacher, Fachbesucher und Interessierte aus dem In- und Ausland begegnen sich zwischen Museum, Lesecafé, Disko und Kino als Bürger auf Augenhöhe. Panels zu kontroversen Themen liefern neue Impulse im Pop-Diskurs und verschiedene Festivalbühnen in Laufnähe versorgen bis spät in die Nacht mit dem, worum es eigentlich geht: gute, unverbrauchte Musik.
04.07.10 in News
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Die New York Times hat Ihre Wahl Leipzigs in den Liste der “31 Places to Go in 2010″ mit einem wunderbaren Artikel von Gisela Williams über die Subkulturen und Kunstszene unserer Stadt manifestiert.
Arts Thrive in Leipzig, Bach’s Backyard
Thank You, Gisela!!
01.06.10 in Archiv 2010
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(Pop Up Couch: 13:30 – 14:00 Uhr, Axel Rahmlow (Journalist) fragt Shain Shapiro (Canadian Independent Music Association)
Sonderweg Kanada: Staatliche Promotion für Indie-Labels
Schon früh habe Kanada das große (auch wirtschaftliche) Potenzial im Indie-Bereich erkannt und die gezielte Förderung der Branche mit der Canadian Independent Music Association (CIMA) fest institutionalisiert: heute seien mehr als 85 % der kanadischen Labels dort Mitglied, Tendenz steigend. Hauptziel von CIMA ist es einerseits, die Indie-Branche in Kanada selbst zu unterstützen, so Shapiro, sowie andererseits, kanadische Indie-Musik im Ausland zu promoten und ausländischen Musikern zu helfen, in Kanada Fuss zu fassen.
Häufig müsse er Bands allerdings überhaupt erst klar machen, dass musikalischer und wirtschaftlicher Erfolg harte Arbeit seien, sagte Shapiro. Viele Musiker müssten erst dafür sensibilisiert werden, dass nur wer, klar sagen könne, was er will und was er kann und sich dabei an die richtigen Adressaten wende, eine Chance habe – alles andere sei Zeitverschwendung für beide Seiten.
Die über 170 CIMA-Mitglieder wählen jährlich einen Vorstand, der die verschiedenen Musikrichtungen möglichst breit repräsentiert. Trotz der Finanzierung durch den staatlichen Canadian Music Founds arbeitet CIMA weitgehend unabhängig, muss allerdings regelmäßig Rechenschaft über die verschiedenen Aktivitäten ablegen. Mehr Informationen: www.canadianblast.com und www.cimamusic.ca
(Pop up Couch: 16:30 – 17:00 Uhr, Axel Rahmlow (Journalist) fragt Carol von Rautenkranz (Golden Gate Management)
„Jetzt sind wir am Tor der Welt“ – Vom Erfolg einer Schnapsidee
Manchmal, erzählt Carlo von Rautenkranz von Golden Gate Management, sei das Kribbeln schon noch da, auch mal wieder selbst eine Band zu produzieren, aber „man muss realistisch sein und das tun, was man auch machen kann.“ Und realistisch gesehen passe „ein Label wie L’Age d’Or … nicht mehr in die Zeit. Für so etwas ist das Geld nicht mehr da und auch die Käufer nicht, das würde heute nicht mehr funktionieren.“ Aus diesem Grund gründete von Rautenkranz nach einem gemütlichen Abend im Jahr 2002 mit seinem Geschäftspartner Oliver Kolb die Agentur Golden Gate Management, die versuche, vor allem „die richtigen Leute zusammenzubringen“ und Kontakte zwischen Musikern, Produzenten, Arrangeuren, Songschreibern oder auch Anwälten herzustellen und so die „Basis für eine gute Musikkultur zu schaffen“. Hier gebe es häufig großen Vermittlungsbedarf, weil die Branche oft stark von Konkurrenz und Intransparenz geprägt sei.
Mit diesem Modell scheinen von Rautenkranz und Kolb Erfolg zu haben, denn inzwischen hat Golden Gate Management seine Büros nicht mehr wie Lado in gemütlichen Hamburg-Altona sondern in der schicken Hafencity – am „Tor der Welt eben“.
Pop up Couch: 13:30 – 14:00 Uhr, Axel Rahmlow (Journalist) fragt Lars Lewerenz (Audiolith Rec.)
Gegen Rechts heißt noch lange nicht antideutsch
Seit seinem Bestehen engagiert sich das Label Audiolith gegen Nazis und rechte Gewalt und nimmt – wie kürzlich in Dresden – an Antinazidemos teil, erzählte Label-Gründer Lewerenz auf der (Pop up – Couch. Dass das Label wegen dieser Haltung häufig als anti-deutsch abgestempelt werde, sei aber völliger Unsinn. „Man muss rechten Tendenzen einfach etwas entgegensetzen“ so Lewerenz, und das sei auch einer der Gründe für die viertägige „Dorfdisko Geiselfahrt“-Tour den Bands Frittenbude, Bratze und Egotronic durch die deutsche Provinz gewesen. In den großen Städten sei das Publikum geradezu übersättigt, in Kleinstädten dagegen reagierten die Leute viel begeisterter und dankbarer, weil dort „sonst nie was los sei“. Dabei ist es Lewerenz wichtig, „sich nicht im Backstage zu verkriechen, sondern mit den Leuten zusammen zu feiern und zu hören, was die für Probleme haben.“ Dieses unmittelbare Feedback sei letztlich auch der Hauptgrund dafür, dass Audiolith mit dem weitermache, was es bisher tue.
Auch wenn Audiolith sich programmatisch treu bleiben werde, sei klar, dass es sich verändern müsse: „In den letzten sieben Jahren hat Audiolith so viele Veränderungen durchgemacht, dass ich mir sicher bin, dass es auch in nächster Zukunft weitere Veränderungen geben wird. Das muss auch so sein, wenn Audiolith innovativ bleiben will.“ Hier liege eine große Stärke der kleinen Indielabels, meint Lewerenz: Gerade weil sie so klein seien, könnten sie wesentlich schneller und flexibler als die Majors auf äußerer Veränderungen reagieren.
01.06.10 in Archiv 2010
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Samstag, 8. Mai 2010, 13 Uhr: Wir tanzen Mechanik!
Der Algorithmus hat dem Musikjournalismus längst den Rang abgelaufen
„Wir tanzen Mechanik!“ ist nicht nur das Motto der diesjährigen (Pop Up, sondern beschreibt das Spannungsfeld zwischen Emotion und Technik. Das gutsortierte Podium diskutierte unter Moderation von Uwe Viehmann den Konflikt zwischen Musikjournalismus und Bewertungsalgorithmen. Auswahl und Empfehlung von Musik als Thema des Kulturjournalismus wird inzwischen deutlich in Frage gestellt – neue Wege sind nötig.
Die fünf Gäste ließen eine interessante Diskussion aus unterschiedlichen Blickwinkeln erwarten: Johnny Haeusler von Spreeblick und Lars Brinkmann (GRIMM) konnten mit Daniel Bregulla von whatpeopleplay ihren Standpunkt aus Sicht der Inhaltsproduzenten darstellen. Prof. Dr. Lorenz Lorenz-Meyer, der eine Professur für Online-Journalismus in Darmstadt innehat, erläuterte theoretische Hintergründe und Dr. Stephan Baumann als Musik- und KI-Forscher von der DFKI erklärte die technischen Bewertungsmöglichkeiten von Musik.
Die Frage „was ist ein Algorithmus“, beschrieb Dr. Baumann als Matrix aus der Zuordnung von Nutzern und Musik, die durch Metadaten aus Quellen wie dem semantischen Wissensnetz dbpedia angereichert werden, damit inhaltliche Nähe erkennbar wird. Die Grundsatzfrage „wie individuell sind wir“ wurde kritisch hinterfragt und durch die Beobachtung ergänzt, dass in kollaborativen Empfehlungsmodellen verstärkende Effekte auftreten, die den Mainstream fördern.
Was leistet Journalismus? War früher eher Empfehlung und Bewertung wichtig, beschreibt Prof. Dr. Lorenz-Meyer dessen aktuelle Aufgabe als Auswahl und emotionale Darstellung: Geschichten erzählen kann nur der Musikjournalismus und kein Algorithmus – doch „es gibt zu viel Schrott“. Qualität durch tiefe Recherche, Erfahrung und genaue Wahrnehmung macht den Vorsprung des Profis zum Amateur aus; so wird der Musikjournalismus nicht nur von technischen Systemen bedrängt, sondern durch veränderte Medienproduktion und -rezeption: ein Mix aus digitaler und analoger Welt, der als Life-Stream in sozialen Netzwerken wie Facebook auch zu Musikempfehlungen im Freundeskreis genutzt wird.
Doch was können Musikinteressierte heute schon nutzen? Modelle wie Spotify beschrieb der Moderator als perfekten Weg zum Kennenlernen neuer Musik – ob solche Systeme Kaufentscheidungen unterstützen sei derzeit noch vage. Daniel Bregulla konterte: „Geschäftsmodell? Ich will nur Musik!“ der emotionale Wert von Musik muss erhalten bleiben – immer und überall verfügbare Musik wird entwertet.
Die hier gestartete, sehr gelungene Diskussion ist ein guter Ansatz: wie technische Bewertungsmethoden sich zukünftig als Bereicherung und nicht als Konkurrenz zum Musikjournalismus etablieren, wird sich zeigen.
01.06.10 in Archiv 2010
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Freitag, 7. Mai 2010, 18 Uhr: Meine Miete steigt, also brennt Dein Auto!
Noch keine brennenden Autos in Leipzig!
[audio: http://www.leipzig-popup.de/stuff/2010/panelmitschnitte/popup2010_panel_gentrifizierung.mp3]
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Videomitschnitt bei make.tv anschauen!
Das Phänomen Gentrifizierung ist in vielen deutschen Großstädten bereits Realität. Der post-industrielle Wandel hat kreative Freiräume eröffnet, seit einigen Jahren verändert jedoch eine zuziehende, vermögendere Klientel das Mietpreisniveau und die soziale Struktur der Viertel. Zum Verhältnis von Kreativwirtschaft, Gentrifizierung und Stadtplanung diskutierten Dr. Silke Steets, Soziologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU Darmstadt, Karsten Gerkens, Leiter des Amtes für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung der Stadt Leipzig, Christoph Twickel, freier Journalist und Autor aus Hamburg und Mitinitiator des Manifests „Not In Our Name, Marke Hamburg“, Uwe Rada, Redakteur der taz für Stadtentwicklung sowie Ariane Jedlitschka, freischaffende Künstlerin und Mitbegründerin der Essential Existence Gallery in Leipzig (EEG) im Rahmen der Leipzig (Pop Up unter der Überschrift „Meine Miete steigt, also brennt Dein Auto!“.
Ausgehend von den Hamburger Erfahrungen mit Gentrifizierungsprozessen forderte Christoph Twickel ein „Recht auf Stadt“, von dem insbesondere prekäre Bevölkerungsschichten aufgrund ökonomischer Sachzwänge mehr und mehr ausgeschlossen seien. Konkret an die Politik richteten sich Forderungen nach bezahlbarem Wohnraum, Recht auf öffentlichen Zugang und Mitsprache bei geplanten Städtebauprojekten.
In Hinblick auf das Verhältnis von Gentrifizierung und Stadtplanung fügte Uwe Rada an, dass sich in der Regel unterschiedliche Nutzungsansprüche an Stadt gegenüber stünden, die sich in der Regel nur schwer miteinander vereinbaren lassen würden. Stadtplanungspolitik würde daher oft nicht über eine „Renaissance der Innenstädte“ hinaus gehen, die Versuche verschiedene soziale Gruppen in den Prozess einzubeziehen bezeichnete Rada als „Feuerwehrpolitk“.
Gegenüber der Situation in Hamburg habe man in Leipzig nach den politischen Umwälzung 1989/90 zunächst mit Leerstand zu kämpfen gehabt, insofern seien die beiden Fälle nicht zu ohne Weiteres zu vergleichen, sagte Karstens Gerkens. In Hinblick auf eine zukünftige Stadtentwicklungspolitik gelte es, das kreative Image Leipzigs der Stadt zu bewahren, so Gerkens weiter: Das „Betrachten, was da ist“ sei die „Leipziger Linie“ in der Stadtentwicklungspolitik, räumte aber ein, das Verdrängung sich nicht immer vermeiden lasse.
Demgegenüber sprach sich Silke Steets dafür aus, dass kreative Freiräume auch über Gentrifizierungsprozesse hinweg erhalten bleiben sollte. Diese „Räume des Dazwischen“ gelte als experimentellen Schutzraum zu bewahren, sie seien „nutzungsoffen“ und würden Raum für Fragen wie „Was ist Stadt“ und „Wie wollen wir Leben“ bieten.
Auch Ariane Jedlitschka plädierte für die Erhaltung kreativer Räume, machte aber zugleich darauf aufmerksam, dass in Leipzig bereits eine Verdrängung von kreativen Räumen zu beobachten sei. Insbesondere die prekäre Situation vieler Kulturschaffender, die zugleich aber auch Aufwertungsprozesse in Stadtvierteln begünstigen und einleiten, mache es notwendig, neue Beteiligungs- und Aneignungsmodelle wie bspw. die Initiative www.deinfeld.de zu entwickeln. Darüber hinaus betonte Jedlitschka, dass die Beteiligung an Stadtentwicklungsprozessen ein wichtiger Aspekt stadtteilbezogener Identifikationsprozesse sei.
01.06.10 in Archiv 2010
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Samstag, 8. Mai 2010, 17 Uhr: I love my iComm
Musik im Netz – Social und trotzdem kaum Geld
[audio: http://www.leipzig-popup.de/stuff/2010/panelmitschnitte/popup2010_panel_socialmusic.mp3]
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„Social Music Networks auf dem Weg zur besitzlosen Gesellschaft“ lautete das Thema eines Panels bei der (POP UP Leipzig. Neue digitale Plattformen, Services und Tools, so das Fazit der Runde, machten den zu verteilenden Kuchen für Musikschaffende zwar größer und gleichzeitig die Verteilung breiter – allerdings nicht gerechter. Verdienen tun abermals nur die Großen.
„Wer wird hier eigentlich besitzlos“, wollte Moderator Sascha Kösch vom Magazin De:Bug in seiner Eingangsfrage wissen und gab der Diskussion damit gleich die Richtung vor. Es sind vor allem die Musiker und Labelmacher. Und das, obwohl nahezu alle Zuhörer der gut besuchten Diskussion noch Platten kaufen. Matthias Schaffhäuser, Musiker und Macher der Labels Ware Records stellte trotzdem fest: „Digital kann Vinyl nicht auffangen.“ Allerdings: Was viel im Netz und damit bekannt sei, würde auch mehr gekauft, wusste Schaffhäuser aus Gesprächen zu berichten.
Dass Musik im Netz nicht immer legal oder mindestens rechtlich grenzwertig ist, konnten Jan Kühn und Matthias Kandel vom Berlin Mitte Institut bestätigen. Die beiden produzieren Radio- und Web-TV-Shows und präsentieren Musik vor allem aus der Berliner Technoszene. Ihr Projekt verstehen sie auch als Online-Promotion für Offline-Events. Es gebe, nach Meinung von Kühn, längst eine informelle Übereinkunft aller Beteiligten. Es brauche lediglich einen politischen Rahmen.
Franka Stenzel, Anwältin für Urheber- und Medienrechte, empfahl dennoch, in solchen Konstellationen immer den Kontakt zu den beteiligten Musikern und Labels zu suchen und sich die Rechte freigeben zu lassen. „Für junge Musiker und Bands ist es nicht mit einem myspace-Auftritt getan“, berichtete Stenzel weiter. Homepage, CDs. T-Shirts und Marketing seien ebenso Bausteine für den Erfolg wie Durchhaltevermögen und mehr als ein guter Song.
„Neue Bands müssen eigentlich agieren wie ein Start-Up“, bestätigte David Noël vom Musiknetzwerk SoundCloud. Dazu gehöre eben auch, in rechtlichen Fragen fit zu sein.
Die neuen Möglichkeiten von Social Music Netzwerken als Chance begreifen wollte Mitbegründer der Musikplattform Simfy.de, Christoph Lang. Mit seiner Plattform plant er künftig Geld zu verdienen mit allerlei mobilen Zusatzfeatures als Premiumdiensten.
Matthias Schaffhäuser brachte am Ende auf den Punkt, warum noch heute über das Thema geredet wird: „Die Industrie ist schuld!“ All diese Shops hätten schon längst installiert sein können, spätestens mit dem Aufkommen von Napster. „Das war 1999!“
01.06.10 in Archiv 2010
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Samstag, 8. Mai 2010, 15 Uhr: Ich scheiß auf Deine Biographie
Auch wenn die Mützen variieren
[audio: http://www.leipzig-popup.de/stuff/2010/panelmitschnitte/popup2010_panel_authentizitaet.mp3]
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Auf der diesjährigen (Pop Up wurde heute der Gegensatz zwischen Kunstfiguren und authentischen Künstlerpersönlichkeiten diskutiert. Dazu hatten die (Pop Up-Macher eine ganze Reihe Gäste eingeladen: Torsten Seif (Buback Records, Manager der Band Deichkind), Dr. Ralf von Appen (Musikwissenschaftler), Theresa Stroetges (Künstlerin, Musikwissenschaftlerin), Amos (Imperator of Pop) und Rummelsnuff (Künstler), durch das sehr lebendige Gespräch führte der Journalist Stefan Mühlenhoff.
Amos, der sich selbst als Kunstfigur versteht, stellte gleich zu Anfang die Frage, ob denn die Verkörperung von Authentizität ausschließlich positiv zu bewerten sei: Schließlich sei es ja auch Aufgabe des Künstlers, zu unterhalten. Eine Kunstfigur erlaube außerdem vielfach größere Freiheit als die authentische Darstellung der eigenen Persönlichkeit: „Du musst nicht laufend checken: Würde ich das tun?, und kannst eine Idee viel konsequenter verfolgen.“ , so der Imperator of Pop. Er sagte, dass aber auch Kunstfiguren nur dann glaubhaft und erfolgreich dargestellt werden können, wenn sie eine Facette der Persönlichkeit des Künstlers darstellen würden.
Der Musikwissenschaftler Ralf von Appen wies darauf hin, dass Authentizität angesichts der medialen Vermitteltheit der Künstler ohnehin nur sehr eingeschränkt möglich sei. Einigkeit herrschte recht schnell darüber, dass Authentizität vor allem eine Zuschreibung durch die Fans ist. „Man interpretiert als junger Fan in die Künstler hinein, dass sie leben, was sie sagen“, sagte Torsten Seif.
Rummelsnuff hingegen, der die Bühne etwas später als die anderen Diskutanten, dafür aber mit einer Live-Performance betrat, erklärte, er würde sich nicht als Kunstfigur sehen. „Das ist keine Inszenierung, das ist das, was aus mir herauskommt.“, sagte er. Und: „Ich halte mich für authentisch – auch wenn die Mützen variieren.“
Auch Theresa Stroetges betonte, dass Authentizität vor allem Zuschreibung sei, und an der Frage hänge, ab sich die Fans mit dem Künstler Identifizieren könnten. Am Beispiel der Band Radiohead zeigte sie drei Faktoren auf, die das Bild von Authentizität prägen würden: Identifikation, persönliches Leiden und Verweigerung dem Kommerz gegenüber. Dies seien aber ebenfalls Zuschreibungen.
So habe Radiohead-Sänger Thom Yorke in einigen Interviews sogar bestritten, authentisch zu sein, was aber seine Glaubwürdigkeit in den Augen seiner Fans nur erhöht habe. Und auch die Kommerzverweigerung sei, so Schulke, letztlich nur ein Verkaufsargument. Deichkind-Manager Seif bemerkte, dass ab einer gewissen Größenordnung der Begriff authentisch auch nur Marketing sei.
Ralf von Appen fasste ein Teilergebnis zusammen: „Womit wir uns identifizieren können, wird als authentisch wahrgenommen.“ In einer zunehmend unsicheren Welt, gebe es eine gesteigerte Nachfrage nach Authentizität, allerdings aufgrund der medialen Vermittlung von Künstlern zunehmend weniger Angebote. Auch Castingshows wie DSDS seien dazu da, Authentizität zu vermitteln – selbst wenn keine da sei.